Nach der Drosselung

Während es in Österreich schon unlimitiertes, mobiles Internet für 20€ monatlich gibt,

greift bei uns in Deutschland die Drossel zu. 😂
Dann geht es nur noch mit 64 kbit/s, 56 kbit/s oder 32 kbit/s weiter.

Das entspricht der Geschwindigkeit von 56k Modems, genauer gesagt der Geschwindigkeit wie vor 20 Jahren.
Damals bestand das Internet fast ausschließlich aus Text, mit 64 kbit/s lassen sich 8192 Zeichen pro Sekunde übertragen - genug für so ziemlich jeden Text.

2015 sind Webseiten vor allem eins: größer. Nun laden aber viele Seiten nach der Drosselung sehr langsam, weil sie nicht richtig für mobile Endgeräte optimiert wurden. Dazu kommt noch, dass viele Seiten einfach nur schlecht programmiert sind, und überladen mit Werbung. Oder beides.

Im Mobilfunknetz ist die Latenz viel höher, als im Festnetz. Geschwindigkeit muss ich an dieser Stelle nicht nochmal erwähnen, wir sind ja bereits gedrosselt.
JavaScript zu deaktivieren, kann hier einen enormen Geschwidigkeitsvorteil mit sich bringen, doch es kann sein, dass dann einige Seiten nicht mehr richtig funktionieren werden. Für diese kann man jedoch Ausnahmen setzen.
Häufig wird JavaScript dazu genutzt, um weitere Daten vom Server nachzuladen. So kann beispielsweise dynamisch auf Benutzereingaben reagiert werden, ohne die ganze Seite neu laden zu müssen.
Angenommen eine Seite lädt noch 80 Elemente mit 0 Byte Größe nach - ob mit JavaScript, oder ob es einfach nur Bilder sind, sei mal dahingestellt. Ein moderner Browser öffnet bis zu 8 Verbindungen zu einem Server gleichzeitig - bleiben noch 80/8, also 10 Anfragen übrig. Daheim hat man zum Server vielleicht eine RTT von <50ms, falls dieser im selben Land steht. Macht also eine Ladezeit von 8*50 ms = 400 ms. Und das ohne jeglichen Inhalt. In den mobilen Datennetzen sieht es mit der Latenz aber anders aus: Bei guter Verbindung sind es im 2G-Netz 300ms, im 3G-Netz 50ms und im LTE-Netz dürfte sie noch geringer ausfallen. Somit wäre die Ladezeit nicht mehr bei 400ms, sondern bei 2.4 Sekunden, schlimmstenfalls bei 8 Sekunden und mehr. Ist ein Element mal etwas größer, schon ist die Leitung dicht, nichts geht mehr und man möchte das Handy am liebsten gegen die nächste Wand werfen.

Die Latenz und die Geschwindigkeit lassen sich - bis auf das Kaufen von neuem Datenvolumen - nicht verbessern. Allerdings lässt sich das übertragene Datenvolumen anpassen und somit indirekt die Übertragungsgeschwindigkeit erhöhen.
Die nächste Option wäre demzufolge, Bilder abzuschalten. Etwas zu radikal? Man könnte die mobilen Daten auch gleich ganz deaktivieren.

Doch es gibt noch Hoffnung für das mobile Internet in Deutschland, sie kommt nicht aus der Politik, nicht von den Providern, sondern aus der OpenSource-Community: ziproxy.
Ziproxy ist ein Proxyserver, welcher Daten und Bilder komprimiert und Werbung blockieren kann.
Die Einrichtung werde ich in einem anderen Blogpost beschreiben.
Update 27.06.2015: Ziproxy Setup

Jetzt sind wir wieder beim Thema "schlecht programmiert", denn eigentlich könnte jede Webseite ihre Komprimierung anschalten. Es ist meist nur eine kleine Änderung in der Konfigurationsdatei des Servers nötig, um die Komprimierung einzuschalten. Die Besucher bekommen davon nichts mit, höchstens, dass die Seite schneller lädt. 😉
Ziproxy komprimiert jede angefragte Ressource erneut, selbst wenn diese schon komprimiert wurde. Bei reinen Textelementen (CSS, JS, HTML), wie sie häufig immer auf Webseiten vorkommen, benötigen diese nach der Kompression durchaus oft nur noch weniger als 30% ihrer unkomprimierten Größe.
Zudem kann Ziproxy Bilder komprimieren, diese sehen danach etwas verpixelter aus, brauchen aber auch nur 1/5 ihrer ursprünglichen Größe. Nutzer von Opera Mini werden das kennen.

Genug Text, Zeit für ein Beispiel.
Ich werde nun einmal die bekannte Regionalseite ka-news.de mit und ohne Ziproxy laden:

Links das original, rechts mit aktiviertem Ziproxy. Das Bild auf der rechten Seite ist bei näherer Betrachtung leicht verpixelt - und nur 1/3 so groß wie das Original.
Links: 1801kb, rechts: 929kb.
Mit deaktiviertem JavaScript wurden nur noch 540kb geladen.
Halbierte Größe heißt natürlich auch halbe Ladezeit. Ohne JavaScript sind es sogar nur noch 1/4.
Wird die Seite später erneut besucht, muss natürlich nicht alles neu geladen werden, sondern vieles wird im Cache zwischengespeichert.

Zum Schluss nochmal alles zusammengefasst, zum Beschleunigen des mobilen Internets:

  • JavaScript deaktivieren, (auf wichtigen Seiten Ausnahme setzen/aktivieren)
  • Werbeblocker nutzen
  • Cache möglichst selten löschen
  • Bilder deaktivieren besser:
  • ziproxy nutzen