Niedergang des Heise Verlags?

Ich war neulich am Kiosk und es war kein schöner Anblick:

Ich muss ja zugeben, früher habe ich mal die ComputerBild gelesen. Früher.
Dort wurden einem "Fachbegriffe" wie "Festplatte" ausführlich am Ende des Heftes erklärt.
Auch immer buntes Cover mit fett gedruckten Lettern.

Fast-forward. 2016. Es sind ein paar Jahre vergangen.
Trotzdem fühlt es sich an, wie damals. Bunt. Unseriös.

Immerhin ist es danach kein Sondermüll. Papier ist recyclebar.
Ich würde ja auch niemals (wieder) Windows 10 privat nutzen, kann auch das Sonderheft zum Linux-Umstieg nur begrüßen, hab' praktisch einen halben Linux-Blog hier;
aber das Cover in so einer Aufmachung, das geht mal gar nicht!

1 Jahr nach Markteinführung auch sehr glaubhaft, nachdem so ausführlich über noch so jedes kleine Win10-Build berichtet wurde.

Wenn ich die c't mal aus langeweile durchblättere, dann denke ich manchmal an meinen Blog. An die Posts hier.
Und die c't soll ein Fachmagazin sein?

Sinkt das Niveau der c't? Steigt mein Anspruch?
Trifft vielleicht sogar beides zu?
Unfassbar.

Die online-Ausgabe macht einem besonders deutlich, dass es schon lange nicht mehr um qualitativ hochwertigen Inhalt geht.
Mit einer Aussage haben sie sich ganz klar als IT-Fachmagazin disqualifiziert:
Quelle: heise.de.
Spielen wir das mal durch...
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Jedem halbwegs Informiertem aus der IT-Branche sollte der Begriff Malvertising etwas sagen. Sogar einem Heise Leser:
Das Exploit-Kit an sich treibt seit mindestens fünf Jahren sein Unwesen und macht immer wieder Schlagzeilen, zum Beispiel wenn über Werbebanner auf eigentlich vertrauenswürdigen Seiten die Rechner von ahnungslosen Besuchern infiziert werden.
Quelle, Hervorhebungen von mir.

Bei der Locky-Geschichte mit den Cryptotrojanern, wurde nach etlichen Tagen mal überhaupt erst erwähnt, dass ausschließlich das Betriebssystem Windows betroffen ist.

Oder nehmen wir das hier: "Neue Masche: Krypto-Trojaner Locky über Javascript-Dateien verbreitet | heise Security"

Es wird im Text nirgends darauf eingegangen, dass der Windows Scripting Host betroffen ist, und NICHT etwa Schadcode aus der Browser Sandbox ausbricht und Computer infiziert. Ein meilenweiter Unterschied, dieses Detail. Immerhin wissen wir nun endlich, dass Windows betroffen ist.
Wieso erfahre ich so etwas im Forum, aber nicht im Artikel?

Erinnern wir uns an den glibc Bug. Es lief etwa so ab:

  • Montag: Server lädt automatisch das Update. (und ja, ich müsste ihn neustarten)
  • Dienstag: ein DSA auf der Debian Mailingliste wird herausgegeben, der über das verfügbare Update informiert
  • Donnerstag: man ließt bei heise darüber

Lustig wurde es, als ich das Update nach der Heise-Meldung einspielen wollte. Er hat keins gefunden.
Bis ich die Zeile im Log gefunden hatte, dass es vor Tagen schon eingespielt wurde. 😂

glibc: Dramatische Sicherheitslücke in Linux-Netzwerkfunktionen Quelle: heise.de
Man muss unterscheiden zwischen potentieller und akuter Gefahr.
Und wenn ich den Security Newsfeed eines Fachmagazins abonniere, dann erwarte ich eine konkrete, realisitsche Einschätzung der Gefahr, kein Geschwafel!
"Dramatisch" ist nur Panikmache.

Schlussendlich bin ich doch nicht mit leeren Händen gegangen:

Zu LXC konnte ich nicht Nein sagen.

Ich denke, für mich wird es langfristig auf englische Literatur hinauslaufen.
c't stirbt langsam, PCWelt, Chip, ComputerBild... Nein

Es gibt zwar noch andere Linux Zeitschriften, die haben aber schon mal eine bebilderte Schritt-für-Schritt Anleitung drinnen, wie man sich TOR auf dem Desktop einrichtet. Und dass man damit ach so abhörsicher/verschlüsselt/geschützt wäre, dort bedenkenlos Online-Banking und dergleich machen könnte.

Russische Exit-Nodes verseuchen einem on-the-fly, und und und; Punkt ist, die ganzen ahnungslosen ComputerBild Leser machen das nach, wenn sie mal beim Heft daneben greifen. Unverantwortlich.


Update 06.07.2016:

😂 5 Ausgaben später...