Linux für Menschen

Es ist mal wieder an der Zeit, zu missionieren, hier möchte ich auch linux-fremden Personen verschiedene Linux-Distributionen, die ich bereits benutzt habe, näher bringen. GNU/Linux als Desktop Betriebssystem.

Für Linux-Neulinge: Ubuntu PC operating system | Ubuntu
Bitte weitergehen, hier gibt es nichts zu sehen.

Für alle, die nicht ganz IT-fremd sind, geht es weiter.
Linux Distribution Timeline

Ubuntu
ist kommerziell, es steht eine Firma dahinter.
Es hat die wahrscheinlich höchste Verbreitung, was den Deskop angeht.
Neben dem Standard Ubuntu gibt es verschiedene Editionen, Flavours genannt. Ubuntu Flavours. Unterscheidet sich hauptsächlich in der vorinstallierten Desktopumgebung. (Die natürlich später jederzeit angepasst werden kann, wir sind hier ja nicht unter Windows 😉)
Ubuntu kommt mit "Unity", einer Mac OS X nachempfundenen Benutzeroberfläche. Unity gibt es ausschießlich auf Ubuntu, nicht auf anderen Distributionen. Es dürfte neben GNOME 3 noch eine der besten Touchscreen-Unterstützungen haben.
Mir persönlich gefällt es nicht, jedoch haben die Ubuntu Entwickler damit wirklich gute Arbeit geleistet - es ist wie beim iPad, wenn man noch nie einen Computer bedient hat, man kommt sofort damit zurecht.
Von der Kommmandozeile sieht der normale Endnutzer schon lange nichts mehr.
Ubuntu stammt vom Debian Unstable Zweig ab, ist mit .deb Installationspaketen kompatibel - es gibt praktisch nichts, was es für Ubuntu nicht gibt, dank Debian.
Releases kommen alle 2 Jahre (LTS) oder 6 Monate. Ich kann nur anraten, die LTS Variante zu nutzen, wenn man nicht zum Beta-Tester werden möchte - dürfte trotzdem stabiler sein als Windows.
Ubuntu läuft Out-Of-The-Box absolut reibungsgloß. Installation erfolgt von einer Live-DVD aus, auf der man das System vorher unverbindlich ausprobieren kann.

Die Firma hinter Ubuntu, Canonical, geht manchmal ihre eigenen Wege, z.B. mit Mir und Snap, ist berüchtigt für das "Canonical contributor licence agreement", alles nicht so schön. Dort wird LXC/LXD entwickelt - bester Support mit Ubuntu.


Debian
Debian ist meine Lieblingsdistribution, es ist das universelle Betriebssystem, die wohl größte Community-gestützte Distribution.
Es gibt alle 2-3 Jahre ein Stable Release, sowie einen Testing (Beta) und den Unstable branch. Unstable, nicht, weil etwa instabil, sondern weil die Pakete ständig aktualisiert/verändert werden.
Man kann problemlos mal eine der Live-DVDs mit verschiedenen Desktopumgebungen ausprobieren, ob man damit installieren kann, weiß ich gar nicht.
Ich empfehle die Installation per netinstall-CD, das habe ich schon hinter mir..
Während Ubuntu praktisch auf der Betaversion von Debian basiert, ist Debian selbst stabil wie ein Stein. Es geht nicht kaputt. Den Preis zahlt man mit etwas älterer Software.

Weiterhin gibt es die Möglichkeit, das System manuell per debootstrap aufzusetzen.
Einen Debian Server mit RAID 1, LVM, verschlüsseltem RootFS kann ich mittlerweile unter dreieinhalb Minuten aufsetzen. RAMDisks machen es möglich.
apt-listchanges, apt-listbugs, was Changelogs und Bugreports anzeigt, erleichtern einem Serveradministrator die Wartung des Systems.
Apt-Pinning und mehr erlauben dem Nutzer, mehrere Repositories gleichzeitig zu nutzen - stabiles System und aktuelle Applikationen, endet in Inkonsistenz.

Wer einen Monitor >FullHD Auflösung besitzt, dem kann ich derzeit (Debian Version 8/Jessie) ausdrücklich von Debian abraten! Sollte im nächsten Release besser unterstützt werden.


KDE Neon
KDE Neon basiert auf Ubuntu LTS, bietet immer einen aktuellen KDE-Desktop. War mir zu buggy, ich würde eher das 6-monatige Kubuntu Release nehmen, dürfte besser getestet sein und der Rest der Anwendungen wird auch aktualisert.


Gentoo
kenne ich bisher nur von den "Install Gentoo" Memes - eine Quellcode Distribution, alle Pakete werden lokal übersetzt. Chrome updaten? Halbe Stunde+? Wartezeit, muss ja erst kompiliert werden. Mit USE-Flags kann der Nutzer so ziemlich alles einstellen, was er an Features kompilieren möchte. Für spezielle Hardwareanforderungen, wie z.B. embedded Geräte, sicher nicht verkehrt, für den Desktop - Nope.


Arch Linux - "A simple, lightweight distribution"
Zuerst:
Ich habe es gewagt - bin jetzt auf Arch. Vorher den Newsfeed abonniert. Mit Antergos installiert. Arch-Anywhere hat versagt. Partition => Crypt => LVM, genau richtig.
KDE 5.8 LTS wurde diesen Monat released. Bei Debian sehe ich das frühstens in einem Jahr.

Eine Desktopumgebung, die seinesgleichen sucht. Mein Desktop erstrahlt förmlich in neuem Glanz (vorher Cinnamon 3). Da sieht sogar Windows 10 altbacken aus.
Das umfangreiche, wie KDE auf QT basierende Softwarepaket, sorgt für eine unvergleiche Desktop-Experience.
Die nächsten 18 Monate kann es nur noch besser werden. Solange wird diese LTS Version supported.
lvconvert --merge /dev/mapper/rootfs_snapshot oder dd Backups, mein Arch Install wird bis zum nächsten Debian Release halten.

Was mich an Antergos gestört hat, es installiert ein minimales KDE durch ein eigenes Meta-Package. Ich wollte daraufhin eine Applikation entfernen, Dependencies komplett broken und er wollte 500 MB entfernen.

pacman -S $(pacman -Ssq "kde-.*meta*") # zsh
pacman -S plasma-meta

hab' ich noch installiert. Ich möchte die volle KDE-Experience, wozu auch die KDE Applications gehören.


Zurück zum eigentlichen Thema: Arch Linux
Archlinux ist der Zombie unter den Linux - Distributionen.
Es ist Rolling Release, so etwas wie Versionsnummern gibt es nicht. Es wird dazu geraten, immer das gesamte System aktuell zu halten, falls neue Software installiert wird.
Einfach ist es hier vor allem für die Distributoren - installiere ich z.B. einen Webserver, wird die www-data Gruppe nicht angelegt. adduser gibt es nicht.
Changelogs oder Bugreports sucht man vergeblich (nicht in der Debian-Qualität), gibt es schlicht nicht. Keine Backports.
Arch wird offiziell per Kommandozeile installiert, wer hohe Anpassungsfähigkeit auf stabiler Basis sucht, ist bei Debian mit debootstrap besser aufgehoben.
Es gibt zwar inoffizielle grafische Arch Installer, diese Distribution ist jedoch keinesfalls für Neulinge geeignet. Man muss sich hier selbst helfen können, falls etwas kaputt geht.

Im AUR, dem Arch User Repository kann jeder, wirklich jeder, auch ohne Informatik-Studium Pakete bauen, diese ohne jegliche Kontrollen veröffentlichen - Sicherheitsrisiko.
Vor Nutzung des AUR wird ausdrücklich gewarnt.
yaourt -S  android-studio visual-studio-code netbeans mysql-workbench eclipse-jee

Android Studio, VS Code und Eclipse JEE hieße in Debian/Ubuntu googlen, manuell noch Libraries nachinstallieren, tar.gz nach /opt entpacken.
Von Windows will ich gar nicht erst anfangen.

Die PKGBUILDs sollte man sich zumindest anschauen, was yaourt auch empfiehlt, und worauf explizit hingewießen wird (( Unsupported package: Potentially dangerous ! )).
Mit dem Befehl oben wird das neuste Android Studio, VS Code, Eclipse JEE und Abhängigkeiten automatisch heruntergeladen, nach /opt entpackt und entsprechende Desktopverknüpfungen eingerichtet.
Für beste Hardwareunterstützung, Grafiktreiber, neuste Software, Desktopumgebungen: Rolling Release.
Das Arch-Wiki ist exzellent und deckt alle möglichen Themen ab - nichtsdestoweniger kann man die Anleitungen auch für andere Distributionen einsetzen.
Auf einem Server würde ich Arch niemals einsetzen.

Ubuntu LTS: Langzeitpflege gibt es nur für das Wichtigste | c't Magazin
Alle Anwendungen ungepatcht in Ubuntu LTS. Wer sollte sich auch um die zig tausend veralteten Pakete kümmern? Wirklich Support gibt es doch ohnehin nur für auf Servern genutzten Pakete.

Auf Windows würde auch niemand auf die Idee kommen, sich ein zwei Jahre altes LibreOffice herunterzuladen. Für den Desktop geht Aktualität einfach über Stabilität.


Manjaro Linux
stammt von Archlinux ab, kommt mit Live-DVD mit grafischem Installer. Ist ein paar Wochen hinter Arch, pflegt eigene Repositories.
Ich habe damit bis jetzt gute Erfahrungen gemacht, was z.B. WLAN-Treiberunterstützung angeht - hatte sofort funktioniert.
IMHO auch nicht für Anfänger, auch wenn es sich so verkaufen möchte.


Einer geht noch:
Fedora
Fedora, kommerziell, stammt von Red Hat Enterprise Linux (RHEL) ab. Es gibt auch hier alle 6 Monate ein Release, supported wird dieses für ca. 1 Jahr. Updaten auf die nächste Version soll problemlos sein.
Ich habe mir sagen lassen, dass es einsteigerfreundlich ist. Es soll ähnlich von der Einfachheit im Vergleich zu Ubuntu sein, Softwarecenter, alles dabei.
Standardmäßig wird es mit GNOME 3 ausgeliefert. Andere Desktopumgebungen lassen sich natürlich nachinstallieren.
GNOME 3 dürfte mit Unity die optimalste Touch-Unterstützung bieten.
Fedora lade ich mir, wenn mein Arch versagt. Es gibt Versionsnummern.


CentOS
Wenn wir schon bei RHEL sind: Gratisvariante von RHEL. 10 Jahre Support (==== 10 Jahre nur Security-Fixes, keine neuen Funktionen).
Das möchte man nicht auf dem Desktop nutzen.


Fazit
Für den Anfang kann ich nur Debian oder etwas debian-basiertes (Ubuntu 😂) empfehlen. Größte Community, weiteste Verbreitung. Bei Problemen findet man garantiert eine Lösung für Ubuntu oder Debian - die man gewiss synonym verwenden kann.
Es spricht ja nichts dagegen, später, mit mehr Erfahrung, auf den Testing oder Unstable Branch zu gehen.

P.S.: Kommerziell heißt nicht, dass es Geld kostet.


Update 21.10.2016
Linux Mint
hatte ich ganz vergessen.
Basiert auf Ubuntu LTS mit dem Cinnamon (sehr an Windows Umsteiger gerichtet, stabiler als KDE Plasma) Desktop.
Zusätzlich bringt es eigene grafische Tools mit, z.B. zur Installation proprietärer Grafiktreiber.
Darunter befindet sich auch der Updater. Updates werden in 5 Levels eingeteilt, per Default bekommen Nutzer keine Kernelupdates. Demzufolge erleichtert man es Angreifern, root zu werden.

Realistisch betrachtet bringt es für den unbedarften Nutzer mehr, diese Lücken in Kauf zu nehmen, als potentiell zur Kommandozeile gebootet zu werden. Ist mir mit Debian mal eine Zeit lang nach jedem Kernelupdate passiert - ich hatte die NVIDIA-Treiber von der Webseite geladen, statt über den Paketmanager. Und die wurden eben nicht automatisch wieder in den Kernel integriert (DKMS usw).

User öffnet irgendein Programm, "Bitte Adminpasswort eingeben", gibt fleißig sein Passwort ein - Angreifer wird root - unabhängig von Windows oder Linux, dies ist ein Layer 8 Problem, auch DAU genannt.
Das Update auf neuere Mint Releases scheint mitunter problematisch zu sein - der offizielle Weg sieht eine Neuinstallation vor.
Home auf extra Partition legen...

Linux

1511 Words

2016-10-20