BWL: Materialwirtschaft

Ich hatte eigentlich nie vor, über BWL zu bloggen, jedoch habe ich mittlerweile bemerkt, dass für mich mit dem Blogschreiben ein immenser Lerneffekt einher geht.
Eine Formelsammlung brauche ich ohnehin in 2 Jahren, was ist da besser als in eigenen Worten?


Materialwirtschaft vs Logistik


Materialwirtschaft setzt sich mit den Materialbewegungen im Unternehmen auseinander.
Sobald etwas das eigene Unternehmen verlässt, an eine andere Firma übergeben wird, spricht man von Logistik.
Diese beschäftigt sich mit Informations- und Güterströmen außerhalb des Unternehmens.


Lagerkennziffern - durschnittlicher Lagerbestand


Jahresinventur:        `"ØLagerbestand" = (AB + EB) / 2`

Quartalsinventur:     `"ØLagerbestand" = (AB + 4 * QuartalsEB) / 5`

Monatsinventur:     `"ØLagerbestand" = (AB + 12 * MontasEB) / 13`


oder `"durschnittlicher Lagerbestand" = ("Mindestbestand" + "Lagerabgang pro Jahr")/2`
wenn z.B. nur der Materialverbrauch für einen Zeitraum aufgelistet ist, ohne Endbestand. Weil der Mindestbestand ja immer da ist.

`"Umschlagshäufigkeit" = "Lagerabgang" / "ØLagerbestand"`

`"ØLagerdauer" = (360/"Umschlagshäufigkeit")`

`"Lagerzinssatz" = ("Jahreszinssatz" * "ØLagerdauer") / 360`


Legende:
ØLagerbestand = durchschnittlicher Lagerbestand
AB = Anfangsbestand
EB = Endbestand
ØLagerdauer = durchscnittliche Lagerdauer
Lagerabgang = Materialverbrauch.
Jahreszinssatz 100% = 1; 1% = 0,01 etc.

Lagerbestand


`"Höchstbestand" = "Mindestbestand" + "optimale Bestellmenge"`

`"Meldebestand" = "Mindestbestand" + "Tagesverbrauch" * "Lieferzeit"`

`"Mindestbestand" = "Meldebestand" - "Tagesverbrauch" * "Lieferzeit"`


Legende:
Mindestbestand = eiserner Bestand, wird nur im Notfall genutzt. Abhängig vom Beschaffungsrisiko.


Optimale Bestellmenge


Andler'sche Formel

`x0 = sqrt((200 * J * BK) / (EP * LHS))`


Legende:
x0 = optimale Bestellmenge
J: Jahresbedarfsmenge
BK: Bestellkosten
EP: Kaufpreis je Mengeneinheit (Einstandspreis)
LHS: Lagerhaltungskostensatz (Zinssatz & Lagerkostensatz in %, kein 0,%% irgendwas)

Grafische Lösung

  • Schnittpunkt Bezugskosten Lagerkosten
  • oder Tiefpunkt (Minimum) der Gesamtkurve aus Bezugs- und Lagerkosten


Tabellarische Lösung
`"Gesamtkosten" = "Bezugskosten" + "Lagerkosten"`
Einfach ein paar Werte ausrechnen, man erhöht hier immer die Bestellmenge während gleichzeitig die Anzahl der Bestellungen reduziert wird.
Der Wert mit den niedrigsten Gesamtkosten entspricht der optimalen Bestellmenge.
Die maximal mögliche Bestellmenge ist gleich der Lagerkapazität.
`"Bezugskosten" = "Anzahl Bestellungen" * "Kosten je Bestellung"`
`"Lagerkosten" = ("Bestellwert" / 2) * "Lagerzinssatz"`


ABC-Analyse


Die ABC-Analyse dient der Findung der Güter mit der höchsten Kapitalbindung, welche am wichtigsten für ein Unternehmen sind. (Kategorie A)

    
        
        
    
    
        
        
    
    
        
        
    
    
        
        
    
relativer Periodenverbrauch %€Kategorie
80%A-Güter
15%B-Güter
5%C-Güter


Vorgehensweise:

  1. Absoluten (Periodenverbrauch * Stückpreis) und relativen (%) Periodenverbrauch berechnen.
  2. Kategorisierung nach ABC (kumlierter Periodenverbrauch): Mit Spalte mit größtem % Wert beginnen (relativer Periodenverbrauch), im kumulierten Periodenverbrauch werden die % Werte immer weiter aufaddiert,
    von der vorherigen kumulativer Periodenverbrauch Zeile + aktuellen Zeile mit dem relativen Periodenverbrauch.
  3. Dort steht dann in irgendeiner Spalte mal >80%, was Kategorie B wäre etc.
  4. Wenn man es richtig gemacht hat, muss man bei der letzten (nicht unbedingt die ganz unten) ausgefüllten Zeile auf circa. 100% kommen.

In ABC eingeteilt wird strikt nach den Zahlen oben, egal ob 80.1% oder ähnliches vorliegt.


Erzeugnisstruktur/Nettobedarfsrechnung


Strukturkästchen

    
        
        
    
    
        
        
    
    
        
        
    
Teil Nr.Menge laut Stückliste
disponierter LagerbestandBruttobedarf
Nettobedarf


Legende:
Bruttobedarf: Gesamtbedarf (ohne Berücksichtigung Lagerbestände)
Nettobedarf: Was noch produziert/bestellt werden muss


Vorgehensweise:
Es wird alles in einer Baumansicht dargestellt.
Das Baumdiagramm beginnt immer mit dem Endprodukt (Anzahl & Lagerbestand gegeben), von dort aus arbeitet man sich immer nach dem gleichen Schema eine Ebene tiefer.

`"Bruttobedarf" = "Nettobedarf der letzen Ebene (1 nach oben)" * "Menge laut Stückliste"`
`"Nettobedarf" = "Bruttobedarf" - "disponierter Lagerbestand"`
Primärbedarf bezeichnet die Anzahl Endprodukte, die hergestellt werden sollen, genauer den Bruttobedarf an Endprodukten.
"Menge laut Stückliste"/Beschriftung am Zweig des Baumdiagramms, die Anzahl der Teile, die für die Herstellung eines Endprodukts/übergeordneten Produkts benötigt werden.


Eine Fertigungsebene tiefer
Jedes Teil in der Erzeugnisstruktur unter dem Endprodukt ist immer von der nächst höheren Ebene abhängig!
In der tiefsten Ebene werden mehrfach verwendete Teile zuerst eingesetzt.
Ergo wird der Lagerbestand eines Teils, was z.B. in Ebene 2 und 3 vorkommt, für die Herstellung der Teile in Ebene 3 verbraucht, der restliche Lagerbestand, falls vorhanden, darf nachfolgend in der nächsthöheren Ebene, hier Ebene 2, verwendet werden. Dort muss entsprechend das Feld mit dem Lagerbestand angepasst werden.


Diese Lib hier kann ich empfehlen, zum Formeln erstellen, in HTML, wirklich unkompliziert und schnell:
Lib: https://www.mathjax.org/
Syntax: http://asciimath.org/